Stille Stunden – Aus dem Alltag einer Sterbeamme & Coachin

Stille Stunden – wenn Worte nicht mehr gebraucht werden

 

Es gibt Momente am Ende eines Lebens, da tritt alles in den Hintergrund: Gespräche, Diagnosen, Erwartungen. Nur die Stille bleibt. Und in ihr – alles, was gesagt werden muss.

Als Sterbeamme sitze ich oft an Betten, an denen der Zeitpunkt des Schweigens gekommen ist: die Atemzüge sind flach, die Blicke fern. Und doch ist Nähe spürbar. Nicht über Worte, sondern über Gegenwart. Eine Hand, die angeboten wird – nicht gedrängt, nicht gefordert. Nur da. In stillem Respekt.

Manchmal wollen Angehörige noch etwas klären oder loswerden. Doch der sterbende Mensch ist schon auf dem Rückweg in seine Seelenheimat. Worte erreichen ihn nicht mehr auf Verstandesebene – nicht auf der Ebene, auf der jetzt alles geschieht.

Und das ist in Ordnung.

In diesen stillen Stunden geschieht etwas Heiliges. Kein Drama. Keine große Geste. Nur ein leiser Übergang –
wie ein letzter Atemzug, der sich dem Wind anvertraut.

Was es dann braucht? Präsenz. Wachheit. Ein Ja zur Stille.

Denn manchmal ist das größte Geschenk nicht, etwas zu sagen –
sondern einfach zu sein.

Eine Sterbeamme