Letzte Hilfe, das kleine 1×1 – Aus dem Alltag einer Sterbeamme und Coachin

Lieber Leser,
oh ja wir können etwas unterstützendes tun und es hilft sogar uns, nicht von unserer Hilflosigkeit übermant zu werden.

Das kleine 1×1 der Begleitung in den letzten Tagen ist gar nicht kompliziert, es braucht nicht viel um hilfreich zu sein.

Beginnen wir mit dem Essen und Trinken. Kennen Sie den Spruch:

 

Essen hält Leib und Seele zusammen

 

Sie merken, jetzt ist die Zeit gekommen die Nahrung zurückzustellen um den Körper zu entlasten. Wenn der Sterbende nicht mehr nach Essen und Trinken verlangt, ist das also in Ordnung. Die Seele macht sich reisefertig.
Schön ist es, wenn Sie den Mund des Sterbenden befeuchten und seine Lippen pflegen. Nehmen sie gern Eiswüfel, gemacht aus dem Lieblingsgetränk des Sterbenden. Etwas Fettigeres wie Joghurtdrinks oder Bouillon lassen den Mund nicht so schnell austrocknet. Vielleicht werden ja sogar noch kleine Mengen geschluck? Hier ist alles erlaubt. Bitte achten Sie darauf, das es im Sterbeprozess zu Schluckstörungen kommen kann und setzen Ihren Lieblingsmensch daher beim Verzehr etwas aufrechter hin. Vllt mag er in Gesellschaft noch ein Stück Schokolade oder eine Erdbeere essen. Fragen Sie nach seinen Gelüsten! Sie werden überrascht sein, mancheiner wünscht sich einen Champagner.
Ansonsten dürfen Sie gern 2-3x die Stunde den Mund befeuchten, natürlich nur wenn der Sterbende dies zulässt.
Haben Sie keine Sorge das Ihr geliebter Mensch verhungert oder verdurstet. Bei eingeschränkter Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr kommt es zu einer erhöhte Ausschüttung von Endorphinen. Das sind morphinähnliche körpereigene Substanzen, die zu einer Abnahme von Schmerzen führen. Toll wie der Körper sich selbst hilft, oder?!

Da die Durchblutung in den Extremitäten abnimmt und die Hände und Füße kalt werden, wärmen Sie sie gern.
Warme Socken, vllt eine kleine Massage, so wie es der Sterbende gern hat. Ein Wärmekissen oder Kirschkernkissen können angenehm sein. Wärmflaschen bitte nicht heiß befüllen, da Sterbende häufiger Empfindungsstörungen haben und sich verbrühen könnten. Statt dicker schwerer Decken bieten sich mehrere Dünne an.
Achten Sie gern darauf, dass Ihr Liebster bequem liegt.

Wenn die Atmung schwer wird, gibt es auch ein paar Dinge die hilfreich sind. Z.B. kann man ganz einfach das Fenster öffnen, wenn gewünscht oder die Luft befeuchten. Sie können den Oberkörper Ihres Liebsten hochlagern. Sie können gemeinsam atmen, wenn durch Angst die Luft wegbleibt, schön ruhig und gleichmässig. Wichtig ist, lassen Sie den Sterbenden nicht allein, engen Sie ihn aber auch nicht ein. Sicherheit und Ruhe ist jetzt wichtig. Ätherische Öle wie Zitrone, Zeder und Minze als Raumduft oder auf ein Wattepad in die Nähe des Kopfkissens gelegt, können helfen. Aber seien Sie bitte etwas achtsam mit Düften. Der Geruchssinn nimmt im Sterbeprozess zu, richtig, er nimmt zu, und viele Sterbende sind sehr empfindlich auch gegenüber ihrem früheren Lieblingsparfum.
Entspannungsmusik oder eine kleine Massage können von der Atmung ablenken und entspannen. Schauen Sie bewußt was es braucht, Sie haben jetzt viele Ideen an der Hand. Wissen Sie darum, dass der sterbende Mensch Atemaussetzer bekommen wird und durch den abnehmenden Hustenreflex zu röcheln beginnen kann.
Nur Mut, Sie schaffen das!

Wenn der Sterbende beginnt verwirrt zu werden, gehört das zum natürlichen Prozess. Wirken Sie beruhigend, vllt nehmen Sie die Hand oder bieten sie an. Leise Musik ist schön, Gedichte sprechen oder leises Vorlesen. Viele Sterbende schlafen auch vermehrt und haben immer wieder kürzere Phasen von relativ klarem Bewusstsein, in denen sie sogar kommunizieren können.

Ein gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus, Halluzinationen oder ein Wechselbad der Gefühle können auch das Bild der letzten Tage prägen.
Mit Homöopathie kann man den Sterbenden hierbei gut unterstützen, ebenso bei Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung, Fieber usw.

Im Sterben sollte kein Mensch unter Schmerzen leiden. Die Schulmedizin hat hier viele wirksame Medikamente um eine Schmerzfreiheit zu erreichen. Sie sollten hier den Arzt oder Palliativmediziner direkt zu Rate ziehen.

Treten Ängste auf und Unruhe findet die Seele keine Ruhe loszulassen. Häufiger zupfen Sterbende an ihrer Bettdecke herum. Sterbeammen oder Seelsorger können hier unterstützen.
Vielleicht braucht es ein Weiterdenken über den Tod hinaus, vielleicht muss noch etwas geklärt werden oder der religiöse Mensch fühlt sich im Angesicht des Todes verlassen. Mit gezieltem Blick einer Fachkraft gibt es auch hier die Möglichkeit Frieden einkehren zu lassen!

Sie sehen, für alles gibt es Hilfe und Sie sind nicht allein. wenn Sie Unterstützung brauchen, werden Sie sie bekommen.
Gerne steh ich Ihnen zur Seite!

Eins sei an dieser Stelle noch gesagt; Manch Sterbender wird trotz Ihrer Präsenz den Moment abpassen, wenn Sie kurz auf das Örtchen verschwinden, um seinen Heimweg anzutreten. Wissen Sie darum. Öfter fällt dem Sterbenden das Loslassen dann leichter.

Ich kann Sie nur ermutigen, begleiten Sie die Heimreise. Es ist so wertvoll diese Erfahrung zu machen und Sie werden danach froh sein, es getan zu haben.