Cicley Saunders und der psychische Schmerz (total pain) – Aus dem Alltag einer Sterbeamme und Coachin

Cicely Saunders, die Begründerin der modernen Hospizbewegung, hat den Begriff des „totalen Schmerzes“ („total pain“) geprägt. Dieser umfasst nicht nur den rein körperlichen Schmerz, sondern auch psychische, soziale und spirituelle Dimensionen. Insbesondere der spirituelle Schmerz ist aus der Sicht einer Sterbeamme von zentraler Bedeutung, da er sich auf die tiefen, existenziellen Fragen und Ängste bezieht, die Menschen am Lebensende beschäftigen.

Was ist spiritueller Schmerz nach Cicely Saunders?

Spiritueller Schmerz beschreibt das Leiden, das durch den Verlust von Sinn, Hoffnung, Zugehörigkeit oder Glauben an etwas Größeres entsteht. Dieser Schmerz kann sich äußern in:

  • Sinnverlust: „Warum passiert mir das?“ – Menschen stellen ihr gesamtes Leben infrage.
  • Gefühl der Isolation oder Gottverlassenheit: Das Gefühl, von allen – auch von Gott – verlassen zu sein.
  • Angst vor dem Tod: Die Angst vor dem Unbekannten und dem, was nach dem Tod kommt.
  • Unvollendete Lebensaufgaben: Offene Konflikte, unerfüllte Träume oder ungeklärte Beziehungen.

 

Perspektive einer Sterbeamme auf spirituellen Schmerz

Sterbeammen begleiten Menschen auf ihrem letzten Weg nicht nur physisch, sondern auch emotional und spirituell. Aus dieser Perspektive zeigt sich der spirituelle Schmerz häufig in Form von tiefem Leid und Unruhe. Die Aufgabe der Sterbeamme besteht darin, einen Raum des Vertrauens und der Geborgenheit zu schaffen, in dem diese tiefen existenziellen Fragen und Gefühle einen Platz finden.

Mögliche Ansätze zur Begleitung:

  1. Aktives Zuhören und Präsenz: Oft hilft es, einfach nur präsent zu sein und zuzuhören, ohne Ratschläge zu geben.
  2. Rituale: Rituale wie das Anzünden einer Kerze, das Sprechen von Gebeten oder Segensworten können Trost spenden.
  3. Lebensrückblick: Gemeinsames Erinnern und Erzählen von Lebensgeschichten hilft, das Leben zu integrieren und Frieden zu finden.
  4. Klärung offener Themen: Unterstützung bei der Versöhnung mit Familie oder Freunden.
  5. Glaubensressourcen stärken: Anknüpfen an den Glauben oder spirituelle Traditionen der betroffenen Person, falls erwünscht.

 

Spiritueller Schmerz – Ausdruck und Bedeutung:

Spiritueller Schmerz äußert sich oft nicht direkt, sondern indirekt:

  • Körperlich: Unruhe, Schlaflosigkeit, Atemnot ohne medizinische Ursache.
  • Emotional: Hoffnungslosigkeit, tiefe Trauer, Angst, Wut.
  • Verbal: „Ich will nicht mehr leben“, „Es hat alles keinen Sinn mehr“, „Warum lässt Gott mich leiden?“

 

Ziel der Begleitung: Frieden finden

Das Ziel der Begleitung ist nicht, den spirituellen Schmerz zu „heilen“, sondern den Betroffenen zu unterstützen, Frieden mit dem eigenen Leben und Sterben zu schließen. Dies kann durch Vergebung, Annahme des Unveränderlichen oder das Finden eines neuen Sinns im Abschiednehmen geschehen.

Sehr gern unterstütze ich Sie dabei!